Was denken Menschen hier in Deutschland über das Projekt „Mach dir ein Bild"

In einer Diskussionsrunde mit dem „Mach Dir ein Bild“-Team entwickelte der Herner Jens Steinmann, der das Projekt seit langem begleitet, interessanten Gedanken, die er im weiteren Verlauf dieser Mail beschreibt.

Herzlichst,

Marie Köhler

Es verbleibt noch ein Tag, an denen Sie das Projekt bei Startnext unterstützen können. Helfen Sie mit!

Die Wichtigkeit, nicht helfen zu wollen

Nichts könnte den global verbreiteten kulturellen Chauvinismus gegenüber einem ganzen Kontinent besser veranschaulichen als das obige Bild. Hier wird deutlich, dass wir, die wir uns als Menschen der westlichen Welt begreifen, in unbekümmert guter Absicht weite Teile Afrikas mit inhaltslosem Wohlstandsüberschuss überfluten und so wichtigen Raum für kulturelle Identität – im wahrsten Sinne des Wortes – verschenken.

Es gibt sicher einige Möglichkeiten, „Mach dir ein Bild“ falsch zu verstehen. Es als soziales Projekt zu bezeichnen, vernachlässigt den künstlerischen Ansatz, und auch politische Perspektiven liegen nicht im Kern des Konzepts. Am Weitesten aber verfehlt man nach meiner Meinung die Intention des Projekts, indem man es mit dem Entwicklungshilfe-Stempel markiert.

Warum ist es wichtig, nicht helfen zu wollen? Die intuitive Solidarität, könnte man entgegnen, fordere Großzügigkeit denen gegenüber, die weniger haben. Das hat natürlich seine Berechtigung, aber leer stehende Schulen und Krankenhäuser und in trockenen Brunnen versickerte Gelder haben gezeigt, dass der Preis dafür nicht die Abhängigkeit ganzer Völker sein darf.

„Mach dir ein Bild“ ist ein solidarisches Projekt, aber in erster Linie aus dem Grund, dass es keine hierarchische Struktur hat und somit Menschen auf Augenhöhe begegnen kann. Es zu unterstützen heißt nicht, zu schenken. Es heißt, und hier ist vielleicht die Schnittstelle von Solidarität und Augenhöhe, zu kaufen.

Liebe Leute, es ist fast geschafft. Bitte, kauft etwas Schönes aus der Liste rechts von hier und freut euch auf mehr.

Mit den besten Grüßen

Jens Steinmann

WIR SIND UNESCO!

Die deutsche und die ruandische UNESCO-Kommissionen haben entschieden.
Für das Projekt „Mach dir ein Bild / Rwanda Image Update“, erhalten wir die Schirmherrschaft der UNESCO.

Es verbleiben noch zwei Tage, an denen Sie das Projekt bei Startnext unterstützen können. Helfen Sie mit!
Damit haben die UNESCO-Kommissionen befunden, dass die von „Mach dir ein Bild“ verfolgten Ziele in besonderer Weise im Dienste ihrer eigenen Ideale stehen. So werden in der Verfassung der UNESCO die Wichtigkeit von gleichen Bildungsmöglichkeiten für alle sowie die Notwendigkeit von internationaler Zusammenarbeit und interkultureller Verständigung betont.
Für „Mach dir ein Bild“ bedeutet diese Unterstützung zunächst einmal ein großes Kompliment; außerdem sind wir gespannt auf einen regen Austausch und die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven.

Die UNESCO unterstützt uns Ideell. Das ist großartig. So bitten wir euch noch mal bei unserer Kampagne vorbeizuschauen. Es fehlt nicht mehr viel. Gemeinsam schaffen wir das.

Beste Grüße

Marie Köhler

Wofür brauchen wir eigentlich 15.000 Euro?

Eine wichtige Frage: wofür genau wird eigentlich noch Geld benötigt, wenn Marie Köhler schon wieder zurück in Deutschland ist? Ist das Projekt schon vorbei?

Im Grunde beginnt nun die wichtigste Phase des Projektes: die Verstetigung. Genau hier liegt der große Unterschied in der Idee, der 'Mach Dir ein Bild' so besonders macht.

Die geschaffenen Strukturen sollen erhalten bleiben, der Workshop eigenverantwortlich weitergehen, die Perspektive für die Kinder in Ruanda auf Dauer angelegt werden. Und nicht nur für den Moment.

Marie Köhler beschreibt im Verlaufe dieser Mail sehr anschaulich, wie die Mittel verwendet werden sollen und auch, wo wie sie nicht verwendet werden: für Personalkosten und Honorare der Macher. 
Das gesamte Projekt ist von Beginn an Ehrenamtlich und mit hohem persönlichen Einsatz realisiert worden.


Es verbleiben noch vier Tage, an denen Sie das Projekt bei Startnext unterstützen können.

Helfen Sie mit, ermöglichen sie die Verstetigung von 'Mach Dir ein Bild' in Ruanda!

Marie Köhler:
Wofür brauchen wir eigentlich 15.000 Euro?
Wir befinden uns jetzt in der dritten und somit letzten Projektphase. In der ersten Projektphase im Dezember 2013 unternahm ich eine Recherche- reise nach Ruanda, um vor Ort zu schauen, wie und mit wem ich das Projekt realisieren könnte. Die Kosten für Flug und Unterbringung übernahm damals das Goethe Institut in Ruanda. 

Für Vorbereitung und Durchführung des Projektes habe ich bis heute unentgeltlich gearbeitet, und so wird es bis zum Ende des Projektes auch weitergehen.
In der zweiten Projektphase, der Durchführung in Ruanda, erhielt ich für Filmentwicklung und Transporte eine kleine Unterstützung vom Goethe-Institut in Rwanda und eine kleine Unterstützung von der Jumelage Rheinland-Pfalz/Ruanda. Auch in dieser Zeit arbeitete ich unentgeltlich. Meine Wohnung in Deutschland vermietete ich für diese Zeit unter.

Jetzt, in der dritten Projektphase, unterstützt das Auswärtige Amt zu einem Teil die Projektverstetigung. Anteilig können wir somit die Ausstellungsproduktion, die Erstellung eines Bildbandes und die Filmdokumentation bezahlen. Alle Menschen die bei diesen Projekten mitarbeiten, also unsere Grafikerin, das Filmteam, Praktikanten, Assistenten und andere Helfer, arbeiten ehrenamtlich.

Das Projekt soll in Ruanda verstetigt werden, da „Mach dir ein Bild“ auf die Nachhaltigkeit von künstlerischer Bildung zielt. Die Organisationen „Root Foundation“ aus Kigali und „Soeur Floride“ aus Musanze, die karitative Hilfe vor Ort leisten, arbeiten ebenfalls ehrenamtlich und können die Weiterführung des Projekts bis Oktober diesen Jahres aus eigenen Mitteln gewährleisten.
Um das Projektbüro für „Mach dir ein Bild“ in der Root Foundation in Kigali einzurichten, für Filmentwicklung, Transporte und Equipment, sowie für ein längerfristiges Angebot an Fotoworkshops für Kinder, brauchen wir jedoch noch dringend finanzielle Unterstützung.

Konkret fehlen uns folgende Beträge:

Bildband: 4000 Euro
Dokumentation: 5000 Euro
Ausstellung in Rwanda: 3000 Euro
Verstetigung des Projektes in Rwanda: 3000 Euro

Dieses Geld deckt nur die Produktionskosten. Alle Mitarbeiter und Helfer von „Mach dir ein Bild“ arbeiten weiter unentgeltlich.

Und das machen wir auch weiterhin gern. Obwohl es viel Energie kostet, sind wir mit Herzblut dabei. Aber wir brauchen dazu eure Hilfe. Ohne Geld geht es einfach nicht.

Vielen Dank für Eure Unterstützung

Marie Köhler

Heide Prange über "Mach dir ein Bild" vor Ort in Rwanda

Heide Prange war vier Wochen in Rwanda vor Ort und unterstütze mit allen Kräften das Projekt „Mach dir ein Bild“

Unterstützt uns jetzt bei StartNext!

Liebe Freunde, liebe Kunstinteressierte, liebe Weltverbesserer,

Die Idee hinter dem Projekt Mach dir ein Bild ist von meiner sehr guten Freundin und Kollegin Marie Köhler, die sich mit diesem Projekt einen lang gehegten Traum erfüllt: ein Fotoworkshop mit Kindern in Afrika, die mit einer eigenen analogen Kamera ihre Welt, ihr Afrika fotografieren, für sich selbst, für uns. Bilder unmittelbar aus Afrika, nicht über Organisationen, die für eigene Zwecke fotografieren, keine Dritte-Welt-Kampagnen-Fotos, keine Safari-Urlaubsfotos. Mach dir ein Bild - Make a photo yourself

Es sind Bilder aus Kindersicht, neugierig und aufgeregt über die neue Möglichkeit mit der Kamera in der Hand zu fotografieren, ihre unmittelbare Umgebung, ihre Familien, ihre Freunde, ihr Leben. Alle Kinder haben fast ausschließlich zum ersten Mal in ihrem Leben eine Kamera in der Hand. Nach einem erfolgreichen Auftakt von Mach dir ein Bild im Operndorf von Christoph Schlingensief in Burkina Faso im vergangenen Jahr, ist das Projekt in diesem Jahr nach Ruanda gezogen. Ich bin seit zwei Wochen im Land, um das großartige Projekt meiner Freundin hier vor Ort zu unterstützen. Mach dir ein Bild in Ruanda

Unser Bild von Ruanda, diesem kleinen dichtbevölkerten Binnenstaat in Ostafrika, mit Landesgrenzen zu Uganda, dem Kongo, Burundi und Tansania, mit nur knapp 11 Millionen Einwohnern, ist auch heute noch geprägt durch die schrecklichen Bilder des Genozids, der nun genau 20 Jahre zurück liegt. Der ethnische Konflikt der beiden Volksgruppen Hutu und Tutsi gipfelte 1994 im Völkermord der Hutu-Mehrheit an der Tutsi-Minderheit, bei dem zwischen April und Juli in annähernd 100 Tagen etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi durch Angehörige der Hutu und insgesamt knapp 1 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Aktuelle Bilder vom Leben in Ruanda findet man kaum. Ruanda ist gemäß des Human Developement Index der Vereinten Nationen auf Platz 167 von 186 aufgeführt, zählt damit zu den Ländern mit „niedriger menschlicher Entwicklung“ und gilt als eines der ärmsten Länder der Welt.

50% der Landbevölkerung unter 18 Jahre

Der ruandische Bevölkerungsanteil der unter-14-Jährigen beträgt knapp 42%, über 50 Prozent der Landbevölkerung sind unter 18 Jahre. Es ist die neue Generation Ruandas, über die wir nichts wissen, die Generation, die noch immer die Lasten von vor 20 Jahren zu tragen hat, die Generation, die den Genozid noch immer nicht vergessen kann, aber die mit neuen Perspektiven und einer eigenen kritischen Nachbereitung der Vergangenheit nach vorne zu schauen versucht. Ich selbst hatte vor der Abreise auch nur eine wage Vorstellung von Land Ruanda.

Die Arbeit die Marie und das gesamte Team von Mach dir ein Bild in dem halben Jahr Vorbereitung geleistet hat und hier in Ruanda leistet ist erst richtig zu spüren, wenn man hier vor Ort mitarbeitet, einen Workshop in der abgelegenen Nordprovinz realisiert, die Nächte durcharbeitet, für die am Tag drauf folgende Präsentation, bei der alle Kinder ihre gemachten Bilder der Woche Workshop zum ersten Mal sehen. Die Präsentation, die in einem einfachen Klassenzimmer unter einfachsten Bedingungen stattfindet, zu der sich die Kinder mit ihren Familien und Freunden mit oft langen Fußmärschen auf den Weg gemacht haben, bei der die Kinder so sehr aufgeregt sind, dass es sie kaum noch auf den Stühlen hält. Diese Stimmung und Spannung im Klassenzimmer miterleben zu dürfen ist ein solches Erlebnis, ein solches Glücksgefühl, unbezahlbar und unvergesslich. In nur einem Moment spürt man das, was das Projekt ausmacht, die starke Kraft des Projektes, all die Energie und Liebe, die Marie in dieses Projekt gesteckt hat und wie wertvoll diese Arbeit mit den Kindern ist. Sie bringt nicht nur den Kindern eine neue Sichtweise auf ihre Welt, eine neue Möglichkeit sich auszudrücken, zu verständigen und zu reflektieren, sondern auch uns und das vielleicht auch mehr. Um das zu spüren reicht ein Moment aus, bei dem sich ein kleiner Pygmäen Junge zum ersten Mal in seinem Leben auf einem Foto sieht und erkennt und das, was es mit ihm macht. Startnext - Kampagne

Involviert bin ich in das Projekt von Beginn an, viel Zeit in Vor- und Nachbereitungen habe ich schon für die Workshop-Monaten in Burkina Faso im letzten Jahr investiert, richtig erleben darf ich Mach dir ein Bild gerade zum ersten Mal. Dieses Projekt ist nicht alleine zu realisieren. Zu Anfang habe ich geholfen, um meiner Freundin zu helfen, weil ich von Anfang an an ihr Projekt geglaubt habe, jetzt bitte ich euch, uns und den Kindern hier zu helfen das Projekt hier in Ruanda zu verstetigen, die Kindern und alle Beteiligten Künstler, Lehrer und Helfer hier vor Ort zu unterstützen das Projekt und die künstlerische Arbeit mit der Fotografie fortzuführen. Ausstellungen hier vor Ort und in Kooperation in Deutschland zu finanzieren und zudem ein Bildband einer Auswahl aller entstandenen Bilder zu ermöglichen, die uns allen eine neue Sicht auf Afrika, auf Ruanda ermöglicht, die es so bisher noch nicht gegeben hat.

Liebe Freunde, unterstützt mit uns Mach dir ein Bild, dass diese wunderbare Arbeit mit den Kindern in Ruanda fortgeführt werden kann!
www.startnext.de/machdireinbild

Weitere Infos zum Projekt: 
www.facebook.com/machdireinbild

Vielen Dank oder murakoze, wie man hier in Ruanda sagt.

Ganz liebe Grüße aus Kigali, Heide Prange

Zurück in Deutschland / Endspurt der Kampagne



Liebe Freunde, liebe „Mach dir ein Bild“-Wegbegleiter,

ich bin wieder zurück in Deutschland und wir brauchen jetzt dringend eure Hilfe.

Viel Arbeit liegt hinter mir und all den Helfern von „Mach dir ein Bild“. Wir schaffen den Rest des Weges nicht ohne euch!

Die Zeit in Rwanda war großartig, überwältigend, traurig, spannend und wunderschön. Es fällt mir sehr schwer mal eben kurz zu beschreiben, was ich in den letzten drei Monaten erlebt habe. Von Afrika lernen war mein eigenes Ziel. Mit zurück nach Deutschland habe ich einen Rucksack voll Erfahrungen gebracht, die es mir ermöglichen, das Land Rwanda und seine Bewohner nun besser zu kennen. Ich möchte euch nun von Herzen daran teilhaben lassen.

Vor 20 Jahren erlebte Rwanda den schrecklichen Genozid. Sehr viel hat sich seither verändert, sehr viel wurde aufgearbeitet, Rwanda ist eines der sich am schnellsten entwickelnden Ländern Afrikas. Ziel des Projektes von „Mach dir ein Bild“ war es, neue Bilder zu schaffen, die die Sicht auf Rwanda verändern. Dies stellte für mich in den gesamten drei Monaten eine große Herausforderung dar. Wie lernt man ein Land kennen, das durch sein Erlebtes sehr in sich gekehrt ist, wie schafft man einen Zugang zu den Menschen, die alle ihre eigenen schrecklichen Geschichten mit sich tragen? Wie wird man Teil einer Gesellschaft die nicht vergessen kann und will? Wir lernt man eine Kultur kennen, die der Eigenen so fremd ist?

In den ersten Tagen nach meiner Ankunft schaute ich mir das Land an und war fasziniert von seiner unglaublichen Schönheit. Grüne Hügel, Wälder und Seen. Menschen die emsig daran arbeiten, ihr eigenes Land zu gestalten, um nach Außen mit aller Kraft zu zeigen, wie sich dieses Land so wunderbar entwickelt hat.

Geprägt hat mich die Schönheit des Landes, aber auch die allgegenwärtige Paranoia die in den Köpfen der Rwanda festsitzt. In vielen Gesprächen mit Künstlern kristallisierte sich der dringende Wunsch heraus, mittels der Kunst frei denken und handeln zu dürfen. Doch einzig und allein das große Thema der Aufarbeitung des Genozids und der Vergebung der beiden Volksgruppen Hutu und Tutsi erlangen Aufmerksamkeit außerhalb des Landes. Programme und Projekte zur Versöhnung untereinander liegen hoch im Kurs. Diese Themen werden aber oft von Außen an die Rwanda herangetragen. Viele westliche Religionsgruppen haben sich nach 1994 in Rwanda niedergelassen, um genau diese Thematik immer wieder aufs Neue zu fokussieren.

Der dringende Wunsch der Rwanda ist meiner Meinung nach, nicht immer auf den Genozid und auf das 'Danach' reduziert zu werden. Sich zu versöhnen ist wahrscheinlich ein guter Weg, doch niemand kann meiner Meinung nach einen Menschen dazu zwingen, zu verzeihen. Und wenn ein Mensch nicht verzeihen kann, macht es diesen nicht zu einem schlechten Menschen. Der Rwanda ist nicht nur ein Opfer oder ein Täter, der Rwanda ist ein Mensch mit all den Bedürfnissen, Wünschen, Hoffnungen und Träumen, die wir alle haben.

Ich habe großartige Menschen kennenlernen dürfen, ich habe von 120 Kindern über 30.000 neue Bilder geschenkt bekommen, ich habe persönlichen Geschichten und Schicksalen lauschen dürfen, habe mit den Menschen gemeinsam getanzt, gelacht, geweint und habe miterleben dürfen, wie Kreativität durch Gemeinsamkeiten, durch Vertrauen und freies Denken, alles zum Leuchten bringen kann.

Doch auch jetzt beim Schreiben fällt es mir schwer, euch mein Bild über Rwanda näher zu bringen. Mir fällt es schwer zu beschreiben, wie es den Menschen in Rwanda wirklich geht und was sie sich wünschen. Die Sicht auf Rwanda hat sich in den meisten Köpfen seit 20 Jahre nicht verändert. Aus Ruanda kommt kaum einer aus eigener Kraft raus. An einer Hand kann man Künstler abzählen, die es mit ihren künstlerischen Arbeit raus aus Ruanda geschafft haben. Kinder hier denken in Rwanda ist immer noch Krieg und Kinder in Rwanda denken immer noch, dass wir die weißen Götter sind. Wie also ein Bild verändern, das so festgefahren ist? Wie ein Bild verändern, wenn man das Gefühl hat, das kaum jemand aus der westlichen Welt Interesse daran hat?

Ruanda ist der Sündenbock für alles was in Ost-Afrika schief läuft, Rwanda kommt von seinem Image nicht los und an uns heftet das Image des Weißen Gottes. Wer und was muss sich also verändern, damit wir unser Bild verändern, damit wir gemeinsam etwas schaffen können, damit wir von einander lernen können, ohne an den Stereotypen heften zu bleiben? Und genau diese Thematik hat mich in den letzten drei Monaten an den Rand der Verzweiflung gebracht. Solange westliche Menschen nach Rwanda reisen, in Safari-Autos durch die Dörfer fahren und Haribos und Reis verteilen, wenn weiße Menschen nicht aufhören, Gott zu spielen, werden die nächsten rwandischen Generationen ihren Kindern weiter erzählen, dass man versuchen muss, den weißen Menschen so oft wie möglich anzufassen, um selbst weiß zu werden. Wenn wir nicht aufhören, immer gut sein zu wollen, immer helfen zu wollen, immer besser sein zu wollen, wird sich aus meiner Sicht nichts verändern.

Muzungu (Sprache: Suaheli, bezeichnug einer weißen Person) The God of Africa is the white Man, because he changed everything. Her changed our Religion, changed our live, changed our food, he build schools, so we always try to make this God happy. But this God don’t like us, because we can not make it right for him. I can promise you, that before the Muzungu came, we had our own God, we had our own way of Live. Now we don’t now how we have to be, to make it right.(K.Castello, Rwanda 2014)

Es gibt so viel Großartiges in Rwanda zu entdecken, es gibt tolle Filmemacher, Musiker, Tänzer. Es gibt so viele Kinder mit unglaublich kreativem Potential. Ich wünsche mir, dass Rwanda das erkennt und seine Kinder fördert und ich wünsche mir, das die westliche Welt ihre Sicht auf Rwanda verändert und bereit ist, von den Menschen aus Rwanda zu lernen. Ich denke, dass wir in der westlichen Welt mit unserer Kreativität langsam an unsere Grenzen kommen. Künstler hier erlebe ich oft haltlos, überfordert, ruhelos, überreizt, muselos, leer. Ich wünsche mir einen Raum, in dem wir uns gemeinsam begegnen, in dem es wieder eine Muse gibt, in dem alle frei denken, frei handeln und frei leben können, um von einander zu lernen. Wie können wir sonst der Frage nach unserer eigenen Identität näher kommen? Immer höre ich „Die Afrikaner können doch nicht ohne uns“, können wir denn ohne die Afrikaner?

Gemeinsam mit den Rwanda möchten wir jetzt einen Bildband mit den Bildern der Kinder aus Rwanda gestalten, wir möchten eine Ausstellung in Rwanda machen, die dann auch in Deutschland gezeigt werden soll, wir möchten diesen Prozess dokumentieren, um euch an all dem teilhaben lassen zu können. Die Rwanda versuchen jetzt aus eigener Kraft das Projekt zu verstetigen. Das überwältigt mich und doch weiß ich, dass dies nur für einige Wochen möglich ist. Wir wollen aber alle mehr. Wir wollen, dass die Kinder mit der Fotografie groß werden. Wir wollen nicht nur heute daran teilnehmen, sondern auch noch in fünf Jahren. Wir haben alle sehr viel Energie in dieses Projekt investiert, haben viel Energie zurückbekommen, aber das Geld um weiterzumachen können wir nicht aus eigener Kraft aufbringen. Wir bekommen so viel gute Resonanz. Das tut gut.

Um wirklich weiter machen zu können, brauchen wir jedoch dringend eure Hilfe.

Unterstützt uns jetzt bei StartNext!

Ich danke euch für eure Hilfe.

Zurück in Deutschland

Marie Köhler

"Mach dir ein Bild" ist in Ruanda angekommen

Neue Nachrichten von „Mach dir ein Bild“
Der Workshop in Ruanda hat begonnen.

In den nächsten drei Monaten wird das Projekt "Mach dir ein Bild" an verschiedenen Orten in Ruanda stattfinden.
Die erste Hälfte der Zeit wird Marie Köhler in der Hauptstadt Kigali verbringen. Workshop-Orte sind die Green Hills Akademie mit 15 jungen Erwachsenen und die Root Foundation in Kagugu.
Die Root Foundation hilft Kinder und Straßenkinder un probiert ihnen einen Schulbesuch zu ermöglichen. An diesem Ort haben 50 Kinder die Möglichkeit an zwei vollen Tagen den Workshop zu besuchen.
Begleitet werden die Workshops von zwei ruandischen Fotojournalisten, die Marie in ihrer Arbeit vor Ort unterstützen.
Zu dem hat die Partnerorganisation „Jumelage“ Rheinland-Pfalz / Ruanda Niklas Niemann, einen Freiwilligen aus Deutschland, Marie Köhler als Assistenten zur Seite gestellt.
Wir sind sehr dankbar für das große Interesse an dem Projekt und für die Motivation von allen Seiten, von und miteinander zu lernen.

 

Soroptimist International Hagen e.V. unterstützt „Mach dir ein Bild“

Der gemeinnützige Verein um Präsidentin Heide Schimke verwirklicht seine Ziele durch: Bewusstmachen, Bekennen, Bewegen. Ziele sind: Menschenrechte für alle – weltweiter Friede und internationale Verständigung – verantwortliches Handeln – ehrenamtliche Arbeit, Vielfalt und Freundschaft.
So konnte Marie heute ihren Flug nach Kigali buchen. Wir danken von Herzen.
Das Team von „Mach dir ein Bild"

Recherchereise in Ruanda

Liebe „Mach dir ein Bild“ Wegbegleiter.
Es gibt wirklich wunderbare Neuigkeiten. Seit einer Woche ist das Team von „Mach dir ein Bild“ in Ruanda unterwegs.
Das Goethe-Institut aus Ruanda hat Marie Köhler eingeladen, um zu recherchieren wie man das Projekt im nächsten Jahr in Ruanda verwirklichen kann. Eine Woche voller tollen Erlebnissen und Erfahrungen liegen nun hinter uns. Das Land ist wunderschön, die Menschen sehr herzlich und alle sind hochmotiviert dieses Projekt im nächsten Jahr zu verwirklichen.
Einen ausführlichen Reisebericht bekommt ihr in den nächsten Tagen. Wir sind sehr glücklich, das dieses Projekt weiter geht und das wir mit euch gemeinsam noch vieles über Afrika lernen können.
Wir danken euch für euer Interesse und euer Unterstützung.
Alles Liebe aus dem wunderschönen Ruanda.
Marie Köhler und Chris Wawrzyniak

Ausstellungseröffnung im Operndorf Burkina Faso Afrika

Wir sind wieder zurück aus Burkina Faso. Die Ausstellung im Operndorf war ein wunderbares Erlebnis. Die Kinder waren sehr stolz auf ihre Bilder. Jedes Kind hat einen Bildband bekommen, was ein schönes Spektakel war. Wir danken der Niggemeyer Bildproduktion GmbH & Co. KG – Das Bochumer Unternehmen unterstützt uns großzügig und mit Hingabe. Niggemeyer produziert hundert großflächige Exponate. Wir danken dem Druckverlag Kettler GmbH – Hier wurde unser Projekt auf Anhieb verstanden und nicht bloß verarbeitet. Der Katalog ist das Ergebnis einer heraus- ragenden Zusammenarbeit, das wir uns so nicht zu erträumen gewagt hätten. Ein großer Dank geht an das Auswärtige Amt, das uns in diesem großen Vorhaben sehr unterstützt hat.

"Knistern der Zeit" erstmalig im deutschen Fernsehen

KNISTERN DER ZEIT - CHRISTOPH SCHLINGENSIEF UND SEIN OPERNDORF IN BURKINA FASO

D 2012, 106 min (Kinopremiere 6.05.2012 / Theater Hebbel am Ufer Berlin / Kinostart 7.06.2012)

Der tolle Film von Sibylle Dahrendorf ist nun (endlich) erstmalig im deutschen Fernsehen zu sehen. 
Am Sonntag, den 09.06.2013  um 11.05 Uhr in 3sat und am Donnerstag, den 13.06. 2013 um 22.15 Uhr in zdfkultur.

Wir schalten ein!

Mehr Infos gibt es HIER, einen Trailer HIER.


Interview mit Marie Köhler zum aktuellen Stand ihres Projektes

Beerdigungszeremoniell

Kannst Du in fünf Sätzen beschreiben, wie es Dir ergangen ist, seitdem Du in Burkina Faso bist?
Ich wurde bei meiner Ankunft sehr herzlich empfangen. Die Menschen hier vor Ort haben es mir wirklich einfach gemacht, mich schnell einzuleben.
Es war zunächst schon unfassbar aufregend, die Menschen hier, die Kultur, das Umfeld, alles war so anders im Vergleich zu dem, was ich bisher kannte. Nun stellt sich langsam der Alltag ein und ich kann mir momentan nicht vorstellen, irgendwo anders auf der Welt zu sein, als hier.
Mir ist es bisher also sehr gut ergangen, trotzdem machen mir 45 Grad Hitze im Schatten arg zu schaffen. Es dauert, bis man es verstanden hat, sich bei so einer Hitze auch nur auf irgendetwas zu konzentrieren.

Wie lebst Du dort im Dorf, wie sieht bislang Dein Alltag aus?
Ich lebe in einem der Wohnmodule, mit einem Arbeitszimmer und einem Schlafzimmer. Hier weht stets ein kleiner Wind durch das Gebäude, so lässt es sich ganz gut aushalten. Ein richtiger Alltag hat sich erst mit dem Beginn des Fotoworkshops eingestellt. Jeden Morgen um 10 Uhr gibt es für zwei Gruppen á 10 Kindern je einen einstündigen Workshop. Nach der Mittagspause fahre ich mit dem Motorroller ins Dorf Ziniaré, um die Filme entwickeln zu lassen und die fertigen Filme vom Vortag abzuholen. Anschließend scanne ich die Negative ein.
Abends koche ich für mich und die, die sonst noch gerade da sind. Das sind schöne Momente, wir sitzen dann zusammen, lassen den Tag Revue passieren und erzählen uns von unseren Erlebnissen hier in Burkina.
Donnerstags und Sonntags findet kein Unterricht statt. An diesen Tagen kann ich mich meinem eigenen Blick für das Land und die Kultur schärfen.

Gab es bislang Probleme?
Bis jetzt zum Glück nichts ernsthaftes. Mein Equipment für die Workshops hat drei Wochen lang im Zoll festgesteckt. Das war zunächst etwas ärgerlich, hat sich im Nachhinein allerdings eher als Geschenk herausgestellt; so konnte ich in den ersten Wochen hier viel unternehmen, ein wenig auf Reisen gehen und richtig eintauchen.

Was waren bisher die prägenden Erlebnisse?
Der beste Moment bisher war der, als ich das erste mal die Bilder gesehen habe, die von den Kindern gemacht wurden. Da war klar, dass es funktionieren würde. Es war einfach toll. Ich hatte versucht, meine Erwartungshaltung im Griff zu behalten, trotzdem hatte ich die heimliche Hoffnung, dass ein paar tolle Bilder entstehen würden. Die ersten Bilder haben mich dann aber wirklich umgehauen. Sie waren allesamt wunderbar komponiert, unglaublich detailreich und bilden sehr viele Situationen ab, zu denen ich oder vermutlich auch jeder andere professionelle Fotograf nicht oder nur sehr schwer Zugang erhalten hätte.
Aber noch ist alles im Werden, ich möchte eigentlich noch nicht zu viel zu den Bildern sagen. Es braucht seine Zeit und es wird gut. Da bin ich mir sicher.

Das zweite große Erlebnis war die Einladung zu einer traditionellen burkinischen Beerdigung. Sie fand bei einer der ältesten noch existierenden Ethnien Afrikas statt. Irgendwo im Nirgendwo. Es ist so, dass wenn hier ein Mensch stirbt, über ein halbes Jahr hinweg unterschiedliche Rituale abgehalten werden.
Wir durften bei dem Letzten der zahlreichen Rituale dabei sein; bei der Verabschiedung des Verstorbenen. Nie zuvor war eine Weißnase Zeuge dieses Rituals, noch nie durfte das gefilmt werden. Eine große Ehre, ein tolles Gefühl. Der Mann der uns eingeladen hatte, arbeitet im Mossi-Museum in Manega, unweit von Ouagadougou, das die Geschichte des Volkes der Mossi und der alten Westafrikanischen Ethnien beschreibt. Die Mossi stellen die größte Bevölkerungsgruppe hier in Burkina.
Das Museum wurde von einem in Burkina Faso sehr berühmten Anwalt, Frédéric Pacéré, gestiftet und errichtet. Er war auch einer der Anwälte, die im tansanischen Arusha das Tribunal zur Ahndung des Genozids an den Tutsi in Ruanda geführt hat.
So kam eines zum anderen und die Beiden haben uns gefragt, ob wir für das Museum und die Menschen hier eine Dokumentation über dieses Beerdigungsritual machen möchten. Wir wurden dann überaus freundlich empfangen, wir durften alles sehen, alle Fragen stellen und alles mitschneiden.
Nach über 30 Stunden und nur zwei Stunden Schlaf waren wir voll von Eindrücken, Informationen und kaum zu reflektierenden Erlebnissen. Ein großes Glück, dass wir das erleben durften.
Tags darauf wurden wir in das Dorf des Stammeshäuptlings geführt. Der 107-jährige Mann begrüßte uns herzlich. Er erklärte uns, wie in den Dörfern Entscheidungen getroffen werden. Hier gibt es keine Politik wie wir sie kennen, hier wird alles mittels Ritualen entschieden. Stirbt beispielsweise ein Mensch, gibt es ein Ritual, bei dem ein Huhn geopfert wird. Fällt das Huhn mit den Augen nach oben, bedeutet dies, dass der Mensch eines natürlichen Todes gestorben ist. Kippt das Huhn auf das Gesicht, so ist der Verstorbene ermordet worden. Daraufhin nimmt die Familie des Toten den Leichnam auf die Schultern um zu dem Schuldigen, dem Mörder geführt zu werden.
Die Opferung eines Huhnes und das damit verbundene Ritual nennt sich Wahrheitsfindung und wird vom Dorfhäuptling auch bei zahlreichen anderen Entscheidungen angewendet.

Soweit. Das alles ist nur ein kleiner Auszug dessen, was ich auf der Beerdigung erlebt habe. Es gab eine riesige Party und ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nur sagen, dass ich vermutlich noch nie zuvor so friedliche, glückliche und zufriedene Menschen gesehen habe. Einen Toten gebührend zu verabschieden, ihn zu feiern, zu ehren, ihn in bunten Kleidern, tanzend, mit viel Musik noch ein Stück zu begleiten, findet sich in Deutschland so nicht. Schade.

Wie verständigst Du Dich?
Mit Händen und Füßen, einigen Worten Französisch und einigen Worten in Moré, der Stammessprache der Mossi.  Mit den Kindern fällt es mir besonders leicht, manchmal denken wir uns einfach eine Art Fantasiesprache aus. Gemischt mit unserer Körpersprache können wir uns sehr gut verständigen. Hinzu kommt, dass es so sehr viel Spaß macht.

Wie läuft der Workshop?
Der Workshop läuft sehr gut. Wir nehmen uns die Zeit, in Ruhe und ganz langsam in das Medium Fotografie einzutauchen. Kinder, die noch nie zuvor eine Kamera in der Hand gehalten haben, brauchen einfach viel Zeit und die nehmen wir uns hier auch.

Was ist da eigentlich tagsüber los im Operndorf? Nur Schule oder was passiert dort noch?
In der Mittagspause wird stets groß für alle gekocht und gemeinsam in der Mensa gegessen. Tagsüber kommen viele Besucher aus der ganzen Welt vorbei, um zu sehen, wie wir hier leben und arbeiten und wie das Operndorf sich entwickelt.
In den letzten Wochen haben wir meine Terrasse schön hergerichtet, einen Steingrill aufgebaut. Eine gute Errungenschaft; mittlerweile haben wir zwei große, sehr gemütliche und gesellige Grillabende veranstaltet. Nachmittags kommen oft auch die älteren Kinder, die hier nicht zu Schule gehen, bei mir vorbei, machen Fotos oder malen. Manchmal machen wir kleine Performances mit Musik und Tanz. Eigentlich ist hier immer irgendwas los.

Bist Du immer noch zuversichtlich, dass das Projekt Erfolg hat oder besser: denkst Du, dass das Ziel, einen künstlerischen Dialog zu initiieren, angesteuert wird?
Die Frage, ob dieses Projekt Erfolg hat oder nicht, habe ich mir nie gestellt. Wenn man mit Herzblut etwas gemeinsam mit Menschen macht, sich austauscht und motiviert zusammen etwas schafft, ist das ein Erfolg. Wie misst man sonst den Erfolg und vor allem wer misst ihn? Wir haben hier gemeinsam Erfolg bei den Dingen, die wir erschaffen und unternehmen. Wir tauschen uns aus, schaffen einen Dialog hier, arbeiten gemeinsam und ob dieser Dialog in Deutschland aufgegriffen wird und ob er dann weitergeführt wird, werden wir sehen. Man kann hier so unfassbar viel lernen. Meiner Meinung nach sind wir in Deutschland an vielen Stellen sehr an unsere Grenzen angekommen. Wenn wir bereit sind, unser Bild über Afrika über Burkina Faso zu ändern, kann sich auch viel bei uns ändern und der von uns heißgeliebte Erfolg bleibt dann sicher auch nicht aus!

Was hast Du bislang von Afrika gelernt?
Es ist nicht einfach, sich von langjährigen Prägungen loszulösen. Wir in Deutschland leben in sehr stark vorgegebenen Strukturen. Hier in Burkina läuft alles anders. In diesem Moment stehen elf Kinder um mich herum und schauen mir beim Schreiben zu. Es ist laut, heiß und stickig und doch einfach nur wunderbar. Zum jetzigen Zeitpunkt hier zu beschreiben was ich gelernt habe ist nicht möglich. Denn ich muss für mich zunächst einmal alles bündeln und meinen eigenen Standpunkt und meine Haltung finden und definieren und das gerade jeden Tag immer wieder neu.

Was hat sich für Dich bislang an Deiner Meinung, Deinem Bild verändert?
Mein Bild von Afrika hat sich natürlich verändert. Zu diesem Zeitpunkt ist mir einfach erst einmal sehr klar, das wir tatsächlich keine Ahnung von Afrika haben, von dem was hier passiert, was hier ist und wie es sich hier lebt. Warum das  alles so ist, versuche ich gerade herauszubekommen. Auch wenn hier vieles sehr anders ist, als ich es kenne, leben wir ja nicht in verschiedenen Welten. Es gibt nur diese eine Welt. Und wir müssen uns die Frage stellen, wie wir in dieser Welt leben wollen. Das ist vermutlich der erste Schritt, den wir gehen sollten. Wenn wir die Welt weiterhin aufteilen, werden wir uns immer ab- und ausgrenzen, wir werden nicht die Möglichkeiten haben, wirklich und echt bei anderen Menschen an den wirklich großartigen Dingen teilhaben zu können, so wie ich hier und jetzt in Burkina Faso.

Gibt es etwas, das Du gerne nach Deutschland übermitteln willst?
Einer der größten Wünsche der Burkinabe, mit denen ich gesprochen habe, ist es, dass wir anfangen sollten sie anders wahrzunehmen. Sie möchten nicht bloß als eines der ärmsten Länder der Welt betrachtet werden. Das reduziert all diese wunderbaren Menschen hier auf ihre Armut. Sie wünschen sich, dass nicht immer die Angst vor diesem Land und diesem Teil Afrikas geschürt wird, sondern von der Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, sich ein eigenes Bild zu machen und zu verstehen, dass es hier wunderbare Sachen zu entdecken gibt. Hier gibt es ebenso einen Alltag wie bei uns, ein Du und ich, die selben Fragen nach der eigenen Identität und dem Sein wie bei uns auch.

Interview vom 05.03.2013
Das Interview führte Chris Wawrzyniak

Marie Köhler, Frederik Pacere, Till Gröner

Ich habe die Magie der Fotografie unterschätzt

Tag 5 02.02.2013

Rosine

Am dritten Tag meines Aufenthaltes kam Rosine, ein 18 Jähriges Mädchen, vorbei um mir Hallo zu sagen. Tags darauf brachte sie dann zwei Freundinnen mit. Ich gab ihnen eine kleine Digitalkamera mit und bat sie, die Dinge zu fotografieren, die ihnen wichtig sind. Nach zwei Stunden tauchten sie wieder auf und hatten bereits viele sehr spannende Fotos gemacht.

Am nächsten Tag dann klopfte es bereits um 7:20 Uhr an meiner Tür. Mit dem Blick zur Uhr entschied ich, dass das nichts Wichtiges sein könne, drehte mich im Bett um und schloss meine Augen. Wenig später dann klopfte es an meinem Fenster. Es musste also doch etwas wirklich wichtiges sein. Ich stand auf und rannte zur Tür. Dort stand nun erneut Rosine und sagte immer wieder: „Foto, Foto...“ Noch im Halbschlaf gab ich ihr etwas zerknirscht zu verstehen, dass ich noch einen Moment schlafen wolle. Als ich die Tür gerade schließen wollte, griff sie meinen Arm und rief:“Foto s'il vous plaît.“  Es schien für sie in diesem Moment nichts Dringlicheres zu geben, als meinen Fotoapparat zu bekommen. Mir fiel auf, dass sie sich offenbar zurecht gemacht hatte, ihre Frisur sah nach einer Menge Arbeit aus. Ich ging also zu meinem Schreibtisch gab ihr meine Kamera, verbunden mit der Bitte, diese bald zurück zu bringen.
Ich legte mich zurück ins Bett, doch schlafen konnte ich nicht mehr. Ich war aufgeregt.

In den vorangegangenen Tagen waren schon einige der Arbeiter, die an der Krankenstation arbeiten, vorbeigekommen, um sich von mir fotografieren zu lassen. Der anschließende Blick auf das Display der Kamera genügte ihnen, um glücklich nach Hause zu gehen. Ich frage mich, wie das Interesse wohl morgen, wie in einer Woche aussehen wird.
Das Interesse an der Fotografie ist riesig, die Magie, die von ihr ausgeht, habe ich völlig unterschätzt. Täglich kommen mehr Menschen zu mir, bald wird vermutlich das ganze Dorf bei mir zu Besuch sein. Das freut mich riesig, zeigt es mir doch, dass die Idee des Workshop bzw. des gesamten Projektes hier am richtigen Platz angekommen ist. Trotzdem ergibt sich hieraus ein Problem. Eigentlich war es vorgesehen, während des Workshops die jeweiligen Wochenergebnisse als Kontaktbögen auszudrucken und zu besprechen. Mittlerweile bin ich mir sicher: Wenn ich auch nur ein Bild ausdrucke, wird die Aufmerksamkeit und das Interesse aller Beteiligten ins Grenzenlose ansteigen. Es stellt sich heraus, dass es etwas immens wertvolles ist, ein eigenes Bild in den Händen zu halten. Die Menschen der umliegenden Dörfer würden mir sicher die Bude einrennen.
Da ich das zeitlich, inhaltlich und menschlich nicht sinnvoll bewerkstelligen kann, habe ich mich nun entschieden, zunächst einmal keine Fotos zu drucken. Es scheint mir sinnvoller, wenn am Ende die Schüler und die Dorfbewohner selbst entscheiden, welches Foto sie tatsächlich in den Händen halten möchten und dann wird gedruckt. Es macht keinen Sinn, hier alles für jeden ständig auszudrucken, den Überblick und den Fokus zu verlieren.

Alles ist in Bewegung. Jetzt habe ich das Konzept geändert und bin sehr gespannt auf die Fotos, die Rosine machen wird.

Text: Marie Köhler/ Chris Wawrzyniak

Symposium im Theater Oberhausen

Marie sprach bei einem Symposium zu Ehren Christoph Schlingensiefs im Theater Oberhausen über ihren Workshop. Der Abflug naht. Nur noch elf Tage.

Der Goldene Raum betreut das Projekt “Mach Dir ein Bild” der Herner Künstlerin Marie Köhler. Heute zu Gast im Theater Oberhausen anlässlich eines Abends zu Ehren Christoph Schlingensiefs.

Foto: Sabine Meyer